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Ende der Eiszeit
Im Schatten der Kaukasus-Krise haben die Türkei und Armenien am Wochenende ihre diplomatische Eiszeit beendet. Als erster türkischer Staatspräsident hat Abdullah Gül die armenische Hauptstadt Erwiwan besucht und in Gesprächen mit seinem Amtskollegen Sersch Sarkissjan über Schritte gesprochen, die den Weg für eine langsame Normalisierung der lange verfeindeten Nachbarländer freimachen könnten, wenngleich der Besuch noch von Protesten begleitet wurde.
Möglich wurde das durch eine "Fußball-Diplomatie". Gül reiste auf Einladung Sarkissjans zu einem Länderspiel der beiden Nationalmannschaften an. Und er lud im Gegenzug seinen Amtskollegen zum nächsten Spiel in die Türkei ein.
Türkische Tageszeitungen beschreiben das Treffen als einen vielversprechenden Anfang. "Die Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien sind in eine neue Phase getreten", schreibt "Milliyet". "Sabah" bezeichnet das 0:2 für die Türkei als doppelten Sieg. Auf dem Platz habe die Türkei gewonnen, auf der Tribune aber sei die Freundschaft Sieger in dem Spiel geblieben.


Beide Staaten unterhalten keine diplomatischen Beziehungen

Armenien fordert, Massaker an Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord anzuerkennen. Der Vorwurf des Genozids wird von der Türkei heftig bestritten. Ein zweiter Streitpunkt ist die von Armenien besetzte Kaukasus-Enklave Berg-Karabach, die völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört.
Von einer Aufnahme diplomatischer Beziehungen sind die beiden Staaten noch ein Stück entfernt. Nach türkischen Berichten sollen nun aber die Konsultationen auf Ebene der Außenminister verstärkt werden. Die von der Türkei vor 15 Jahren aus Protest gegen die Besetzung von Berg-Karabach geschlossene gemeinsame Grenze soll zunächst für humanitäre Lieferung geöffnet werden.
Gesprochen wurde auch über eine Kommission, die Massaker an Armeniern im Osmanischen Reich untersuchen soll. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat eine solche gemeinsame Kommission vorgeschlagen, Armenien lehnte dies ab.
Die Türkei und Armenien hätten das Spiel als Chance gut genutzt, sagte Gül. Er verlasse das Land optimistisch. "Ich hoffe, mein Besuch ist der Anfang der Lösung unserer Probleme", sagte er. "Ich sehe die Bereitschaft, den Wunsch, für Stabilität in der Region zu sorgen", betonte der armenische Präsident. "Abdullah Gül hat mich zum Rückspiel in die Türkei eingeladen. Ich halte das für einen guten Anfang", sagte Sarkissjan.
 

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